Dominik kardinál Duka OP 
arcibiskup pražský

Homilie Budapest

Homilie Budapest
14. Januar 2015
Predigten

Sehr verehrte Anwesende / Liebe Schwestern und Brüder / Liebe Brüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst, liebe Ordensschwestern und -brüder / Verehrte Teilnehmer unserer Tagung

 

Wir kommen zusammen in einer Zeit, die nicht weit entfernt ist vom Fest der Geburt des Herrn, an dem wir auf das kleine neugeborene Kind in der Krippe schauten, was uns wohl das große Geheimnis des fleischgewordenen Wortes vor die Augten stellte. Vor allem die Ankunft der Magier, die wir in unserer europäischen Kultur und Volksüberlieferung als Könige wahrnehmen, lässt uns das große Paradoxon von Macht und Ohnmacht begreifen. Das gilt allerdings nicht nur für das fleischgewordene Wort, sondern auch für die Kraft oder Kraftlosigkeit unseres eigenen Wortes. Im Sprachgebrauch meiner Heimat wird dies durch Groß- beziehungsweise Kleinschreibung unterschieden. Erkennbar ist jenes geheimnisvolle Paradox doch auch im Wort, das imstande ist, dem Menschen auf die Beine zu helfen oder im Gegenteil ihn zu Boden zu schlagen und ihn beinahe der Sehnsucht zu leben  zu berauben. Einzig auf dieser Ebene können wir auch die heutigen biblischen Textstellen , die wir in Bezug auf das Priestertum reflektieren, verstehen. Das eine Priesterum Jesu Christi, wie es uns die Stelle im Brief an die Hebräer nahe legt,  versucht der Autor des Briefes, wahrscheinlich ein alttestamentlicher, in der Diaspora in Alexandrien lebende Priester, auf dem Hintergrund des Tempeldienstes in Jerusalem zu erklären, was wiederum die Frage hervorruft, ob der Brief nicht bereits vor dem Fall Jerusalems verfasst worden ist. Die Textstelle aus dem Evangelium nach Markus weist jedoch auf jene Verbundenheit des Priestertums und Predigertums, auf den Dienst am Wort hin, der im Kontext des Aufenthaltes alttestamentlicher Priester außerhalb des Tempels, in den Städten und Gemeinden Israels ausgeübt wurde. So erleben auch wir nun die Spannung zwischen dem Auftrag des Priesters als Liturg und Verkünder sowohl in unserem bischöflichen als auch im priesterlichen Dienst. Papst Franziskus fordert von uns Mut und Kraft zur Evangelisation, die den liturgischen Raum verlässt und in die Welt hineintritt. Wir wissen jedoch, wie sehr unsere Priester und Gläubigen ratlos sind, wenn wir sie auffordern, Zeugnis auf den Straßen unserer Städte abzulegen. Wie soll man beginnen, wie kann man Vertrauen auf einen solchen Dienst am Wort hegen. Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Woche der neuen Evangelisation in unserer Hauptstadt haben nicht nur die Priester, sondern auch ein Bischof, der eine gewisse Ikone des Lebens im Dissent darstellt,  gestanden, keinen solchen Mut zu besitzen. Die Epistel sagt jedoch, wir sollen uns vom Sklavensein befreien. Als Kinder Abrahams tragen wir in uns die Gewissheit, dass Gott mit uns ist. Hier sei auf die „Einführung in das Christentum“ von Papst Benedikt dem Sechzehnten hingewiesen, auf jene Auffassung von Gott als Numen personale. Der persönliche Gott ist kein bloß philosophisch-theologischer Begriff, sondern eine existentielle Wirklichkeit, ohne deren Erleben wir nie den Mut besitzen werden, die Aufgabe des Priesters oder Bischofs in der gegenwärtigen Welt zu erfüllen. In einer Welt, die uns mehr als oft an die Atmosphäre der Pilgerschaft Abrahams erinnert, in der Welt großer Veränderungen, die auch uns betreffen, in der Welt voller großer Unbekannter; aber es ist die Welt Gottes, und Er hat uns in sie gesandt, damit sie Ort der Anwesenheit Gottes sei. Amen.