Dominik kardinál Duka OP 
arcibiskup pražský

Das goldene Priesterweihejubiläum Joachim Kardinal Meisners

Das goldene Priesterweihejubiläum Joachim Kardinal Meisners

Am 22. Dezember 2012 in Dom zu Köln am Rhein hat Joachim Kardinal Meisner sein goldenes Priesterweihejubiläum gefeiert. Dominik Kardinal Duka OP hat dir Predigt gehalten.

8. Januar 2013
Predigten

Eminenz, mein verehrter, lieber Mitbruder Joachim, …

Wir alle, die wir uns in diesem Dom versammelt haben, dem seit Jahrhunderten herausragenden Zentrum des Christentums nördlich der Alpen, wissen, warum wir gerade heute hierher gekommen sind. Unser Jubilar, der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, will mit uns und und wir mit ihm dem lieben Gott danken für die Gnade der Teilhabe am Priestertum Jesu Christi. Es ist das Priestertum des einzigen Priesters des Neuen Bundes, der, wie der heilige Johannes von Damaskus und nach ihm auch der heilige Thomas von Aquin sagen, zugleich Priester und Opfer ist.

Die Texte aus dem Buch der Bücher, der Heiligen Schrift, sind die liturgischen Texte dieses adventlichen Tages. Wer den Lebensweg unseres Kardinals Joachim kennt, wird begreifen, warum gerade diese Texte so gut passen. Es ist bekannt, welche Rolle in seinem Leben seine Mutter gespielt hat. Eine tiefgläubige Frau, tapfer und stets opferwillig. Der Abschnitt aus dem Ersten Buch Samuel kann uns an die wichtige Rolle der Mutter in Bezug auf den geistlichen, beziehungsweise priesterlichen Beruf im Leben der Kirche während der ganzen zwei Jahrtausende unserer Geschichte erinnern. Auf diese Rolle, die für die Geschichte der Kirche so entscheidend ist, nehmen heute die Kommissionen für Geistliche Berufungen kaum Rücksicht. Dies kann auch die Ursache dafür sein, dass die Frau ihre Stellung in der Kirche einzubüßen scheint und dass die Rolle der Mutter im Leben der Kirche - so einzigartig und durch niemand anderen ersetzbar - dauernd unbesetzt bleibt und die Frauen sich frustriert fühlen. Die Folge ist dann die Annahme, dass die Rollen der Frau und des Mannes austauschbar seien und ihr spezifischer Charakter eine Diskriminierung. Das Ergebnis ist: Die Frau will nicht Frau sein, also auch nicht Mutter, und der Mann ist kein Mann.

Die Übergabe des Knaben Samuel an den Herrn hat weder die persönliche Berufung noch die freie Zustimmung verletzt. Wenden Sie das Blatt in der Heiligen Schrift und lesen Sie auch das Kapitel drei. Die Berufung zum Priestertum ist immer ein Geheimnis zwischen Gott und Mensch. Sie ist weder an das Alter des Kandidaten und seine Herkuft gebunden, noch an seine bisherige Formation. Wenn es also ein Geheimnis ist, dann ist auch der Berufene nicht völlig fähig, eine Antwort darauf zu geben, wieso und warum. Wir wissen, dass die Stimme Gottes nicht die Stimme aus einem Telefon oder Handy ist. Einzig die Schrift ermöglicht uns einen Blick in das Gehemnis der göttlichen Kommunikation. Bei den Propheten lesen wir: … „es erging an ihn das Wort des Herrn“… beispielsweise an den Propheten Jeremia. Wollen wir erfahren, was dieses „es erging“ bedeuten soll, so müssen wir von dem hebräischen dabar ausgehen, das so viel wie Wort, Geste, Tat, Ereignis, Geschichte heißt. Ist man von Gott angesprochen worden, dann ist das ein Ereignis, das den ganzen Menschen von Kopf bis Fuß durchdringt und ihn gänzlich verwandelt. Er ist total anders, seine Umgebung pflegte oft zu sagen, der Angesprochene sei „meschugge“. Was dies bedeutet, sagt uns der berufene Prediger aller Prediger, der heilige Paulus: „Narr um Christi willen“. Priester zu sein heißt, in einem bestimmten Sinn anders zu sein. Das ist die Ursache des heutigen Mangels an Priesterberufen. Heute, in der Zeit so vieler Paradoxe und einer verrenkten Subjektivität, sagt jeder: „ICH: ICH meine. ICH denke. ICH allein.“ Wir sind Zeugen der Erscheinung, dass alle in Jeans herumlaufen, fast die gleichen Shirts und die gleiche Frisur tragen, sich die gleiche Musik anhören und in der Masse aufgehen wollen. Im Augenblick des Alleinseins fliehen wir ins Vergessensein, mit einem Walkman am Ohr, oder ins Facebook, wir verbringen endlose Stunden mit dem Handy und suchen aus dem Alleinsein eine Befreiung manchmal auch mit Hilfe von Alkohol und Drogen. Hiermit will ich niemanden verurteilen, nur der Wahrheit ins Auge schauen. Wenn du Dem, der dich auf die angedeutete Art und Weise angesprochen hat, dein „Ja“ sagen willst, dann wirst du anders sein. Du wirst dich von den anderen unterscheiden, jedoch stets mit ihnen und für sie da sein.

Und so möchte ich Kardinal Joachim dafür danken, dass er stets den Mut hatte, anders zu sein. Aus dem schlesischen Breslau gebürtig, spürte er immer eine große Nähe zu Prag, zum Riesengebirge mit seiner Schneekoppe, zu Glatz und Grüssau und Albendorf sowie zum Altvatergebirge mit Zuckmantel. Sein Breslau und seine Heimat Schlesien wie auch entferntere Orte, wo die Kirche von ihm Hilfe brauchte oder braucht, sind nie aus seinem Herzen verschwunden.

Ich will mich bei ihm besonders für seine der tschechischen Kirche geleistete großzügige Hilfe herzlichst bedanken, für die vielen tschechischen Priester, die er in der Zeit der kommunistischen Diktatur in Erfurt und später in Berlin geweiht hat. Seine finanziellen Hilfeleistungen ermöglichten bei uns eine gründliche Erneuerung von Wallfahrtsorten, Gotteshäusern und anderen Bauwerken sowie eine Entwicklung von verschiedenen Bildungsprojekten. Das Treffen der Jugend aus aller Welt hier in Köln war sicher auch ein Ausdruck der Dankbarkeit für deinen tapferen Einsatz. Denn dank dieser Hilfe und Aktivität konnte hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang sowie in den armen Ländern auf allen Kontinenten eine neue junge Generation erwachsen. Nicht zuletzt gilt mein Dank auch für deine langjährige Unterstützung meiner Vorgänger, vor allem von Kardinal Tomášek und des Königgrätzer Erzbischofs Karel Otčenášek.

Ich bin überzeugt, dass deine Eltern zusammen mit Hanna, der Mutter Samuels, erfreut singen können: „Mein Herz ist voll Freude über den Herrn.“

Liebe junge Freunde, hier können Sie sehen, was es heißt, berufen zu sein, sein Ja zu sagen in einem Leben, das so bunt und gar nicht leicht ist. Berufen sein heißt, den Weg Abrahams zu gehen: „Ich zeige dir ein Land…“: Es waren Thüringen, das durch die Mauer geteilte Berlin, die Metropole des Rheinlandes Köln: eine der Freiheit beraubte Welt sowie jene, wo wir vergessen, dass „freedom is not for free“. Der Fall der Berliner Mauer und die Antwort auf die Frage „Warum machst du das?“ haben auf einmal gezeigt, dass der Plan Gottes fur jene bestimmt ist, die gegen alle Hoffnung hoffen und wissen, dass die Hoffnung nie stirbt. Nur ein Narr um Christi willen weiß, dass jener, der auf Gott hofft, nicht in Schande enden wird.

Du willst, dass wir heute mit dir, vor allem aber zusammen mit der Jungfrau Maria ihr Magnifikat singen. Sie, die Mutter Gottes und die Mutter der Kirche, spielte und spielt eine besondere Rolle in deinem geistigen Leben.

Ich denke, man kann mit Sicherheit behaupten, dass Kardinal Meisner ein großer marianischer Pilger ist. Aber auch sie, die Jungfrau Maria, war oder ist eine Pilgerin Gottes. In ihr ist das Wort Fleisch geworden, in ihr hat es seine menschliche Gestalt angenommen. Weihnachten steht unmittelbar vor uns. Wenn wir sehen, wie der kleine Sohn seine Mutter umarmt, wissen wir, wer Gott ist. Dermaßen verfolgt und vertrieben, mit einem Despoten oder mit einem kalten Prinzip des Weltalls, mit einer kosmischen Kraft oder mit demSchicksal verwechselt… Nein, Carissime, dein Priestertum, dein Predigerwort hat uns stets die Kraft gegeben zu sagen: “Abba.“ „Vater unser, der du bist im Himmel…“!

Mein lieber Mitbruder, nimm bitte den aufrichtigsten Dank des Volkes Gottes und aller Priester aus Böhmen, Mähren und Schlesien sowie von unserer Bischofskonferenz entgegen! Ich bin überzeugt, dass alle hier Anwesenden sich anschließen und „Von uns auch!“ sagen wollen. Deo gratias!

Dominik Kardinal Duka