Dominik kardinál Duka OP 
arcibiskup pražský

Predigt am 1. Februar 2014 in Freiburg im Breisgau

Predigt am 1. Februar 2014 in Freiburg im Breisgau
2. Februar 2014
Predigten

Liebe Freunde,

 

ich bin gekommen, um in dieser schönen altertümlichen Stadt, die sich mit dem sich hoch über der Kathedrale und dem ganzen Tal erhebenden schönsten Kirchturm der Christenheit rühmt, mit euch und insbesondere mit meinen Dominikanermitbrüdern der fünfundsiebzig Jahre des Bestehens der Provinz zu gedenken, in der die Dominikaner Österreichs und des südlichen Teils der Bundesrepublik Deutschland zusammen leben und wirken. Ihre historische Bezeichnung ist Provincia Germaniae Superioris.

 

Die Provinz verdankt ihre Entstehung dem Magister des Ordens, das heißt dem Generaloberen Martin-Stanislas Gillet, einer bedeutenden Persönlichkeit unseres Ordens im zwanzigsten Jahrhundert. Er gehörte zum Beratergremium der Päpste Pius des Elften sowie Pius des Zwölften. Er war ein Mann mit breitem kirchlich-politischem Horizont und zugleich ein außerordentlich begabter Organisator, der seinem Orden dessen authentische, dem Charisma des heiligen Dominikus gegenüber treue Gestalt zurückgab, also dem Predigerorden, für den das Studium und die Liturgie die Quelle des geistlichen Lebens und seine eigentlichste  Aktivität darstellen. Eure Provinz bringt mit ihrem Namen in erster Linie eine sehr wichtige Persönlichkeit in Erinnerung, den Kirchenlehrer  heiligen Albert den Großen, der auch Bischof von Regensburg war. Ich komme aus Prag, das dank dem heiligen Regensburger Bischof Wolfgang kirchlich eine Tochter der Diözese Regensburg ist. Der Überlieferung nach soll der heilige Albert bei seinen Reisen Prag besucht haben. Dieser Mann, der den Weg zu einer neuen Aufnahme der Antike eröffnet hatte als Lehrer des heiligen Thomas von Aquin, ist Mitschöpfer unserer westlichen Zivilisation, der Universitäten und Kathedralen. Ich kann es nur als wunderbar empfinden, dass ich euer Provinzjubiläum gemeinsam mit euch feiern darf in dieser Stadt mit ihrer Kathedrale und ihrer Universität, an denen auch meine Predigermitbrüder wirken. Bestandteil der vor fünfundsiebzig Jahren entstandenen Provinz ist auch die österreichische Provinz, die im Laufe ihrer Geschichte das Zentrum des kaiserlichen Provinz (Provincia imperii) war, welche im neunzehnten Jahrhundert aus der österreichischen, böhmischen und ungarischen Provinz bestand. Der Wiener Konvent erinnert daher uns Tschechen und Mährer sowie die Slowaken an die gemeinsame Heimat. Dem langjährigen Provinzial eurer Provinz, dem unlägst verstorbenen Pater Innozenz Maria Varga, sind wir äußerst dankbar für seine geistliche, organisatorische und materielle Hilfe in der Zeit der Verfolgung der Kirche sowie dann in den Jahren der Erneuerung des dominikanischen Lebens in der Tschechoslowakei. genauso wie bei der Entstehung der neuen slowakischen Provinz nach der Trennung des tschechoslowakischen Staates. Dieser quasihistorische Exkurs zeigt uns, wie wahr der aristotelische Begriff vom Menschen als „zóon poliitkon“ ist. Der Mensch ist also auch ein politisches Wesen; wir sehen doch, wie das politische Leben und seine Wandel auf das Leben des Einzelnen sowie der Gesellschaft Einfluss nehmen, aber auch auf die Kirche, die Dominikaner nicht ausgenommen. Meine Anwesenheit hier ist nicht nur ein Ausdruck der Dankbarkeit, sonder auch ein Zeugnis dafür, dass wir ein lebendiger Organismus der Kirche sind, in der weder die Nationalität und die Sprache, noch die politischen Turbulenzen imstande sind, die Brüderlichkeit oder Schwesterlichkeit in Jesus Christus zu zerstören oder zu unterbinden. Vielmehr im Gegenteil. Die vergangenen Jahre zeigen, dass die Brüder des heiligen Dominikus trotz des Diktats von Rassismus und Chauvinismus stets Brüder bleiben, sich ihres Auftrags bewusst, die frohe Botschaft des Evangeliums von der Würde des Menschen und der Freiheit der Kinder Gottes zu verkünden, ob man es hören will oder nicht.

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem hier anwesenden Erbischof Robert Zollitsch meinen großen Dank aussprechen für die enorme Hilfe, welche die  Kirche deutschsprachiger Völker für uns geleistet hat sowohl in der Zeit der militanten atheistischen Diktatur, als auch nach der Wiederkehr der Freiheit vor bald schon fünfundzwanzig Jahren; ihr wart bei der Erneuerung des geistlichen Lebens stets Stütze und Unterstützung für uns. Meiner Meinung nach ist es symbolisch, dass wir vor vier Jahren gemeinsam in Prag der „Deklaration über die gegenseitige Vergebung und Versöhnung zwischen dem tschechischen und dem deutschen Volk“ gedenken konnten. Die gegenseitigen Kontakte, unsere Zusammenarbeit und Hilfe bedeuten für uns neben der Freude  auch eine Verpflichtung für die kommenden Jahre. Nicht nur den Dominikanern in dieser Stadt Freiburg, deren Schönheit sowie Geist und Seele ich während meiner schon vier Besuche in allen Jahreszeiten (auch von der Dachgalerie der Kathedrale) kennenlernen und bewundern durfte, sondern allen Konventen und überhaupt euch allen wünsche ich ein Höchstmaß an Gottes Segen und geistlichen Berufungen sowie viel Kreativität für das einundzwanzigste Jahrhundert. Dank dem hier ansässigen Herder Verlag ist Freiburg nicht nur verdienst- und ruhmvoll geworden ,sondern es weiß um die Verantwortung dafür, das Wort Gottes in der globalisierten Welt auf eine verständliche und adäquate Art und Weise verkündet werden muss, in der Zeit der Postmoderne, die vieles unsicher gemacht hat. Das Gotteswort in der heutigen Zeit zu verkünden heißt zu predigen, dass Gott jener ist, der uns erlaubt, den Sinn des menschlichen Lebens, den Sinn der Geschichte zu begreifen, und der uns die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des ganzen Kosmos gibt. Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, gibt uns die Antwort auf die Frage, wer der Mensch ist. Jesus Christus heiligmäßig zu verkünden, wozu uns unser Begründer, der heilige Dominikus. berufen hat, bleibt auch nach fünfundsiebzig Jahren seit dem Entstehen eurer Provinz aktuell genauso wie nach achthundert Jahren seit der Gründung des Predigerordens, der wir in zwei Jahren, im Jahre zweitausendsechzehn, dankbar gedenken werden.

+Dominik Duka,  Erzbischof von Prag